„Wer von euch braucht eine Brille?“ – etwa ein Drittel aller Jugendlicher melden sich – „und wer hat eine Brille?“ – es melden sich die gleichen wie soeben auch schon.
Es ist der 14. Oktober 2025, als diese Frage den Schülerinnen und Schülern der Klassen 8a-8d von Herrn Weber im Multimediaraum gestellt wird, dem Aktionstag zur Ein-Dollar-Brille. Herr Weber informiert die Schülerinnen und Schüler an diesem Tag einmal nicht über Mathematik und Physik, was seine Fächer sind, sondern ist als Mitglied des EDB-Vereins tätig, um zu demonstrieren, welche Probleme auf der Welt entstehen, wenn Menschen eine Brille benötigen, sie sich aber keine leisten können, bzw. in einem Teil der Erde wohnen, wo es keine Brillen gibt.
Etwa knapp eine Milliarde Menschen auf der Erde bräuchten eigentlich eine Brille, um leben und arbeiten zu können, haben aber keinen Zugang dazu. Diese Tatsache hat den Erlangener Realschullehrer Martin Aufmuth im Jahr 2012 dazu gebracht, eine für diese Länder alltagstaugliche Brille zu entwickeln, die man für die ungefähren Kosten von einem Dollar herstellen kann. Man benötigt dazu eine speziell entwickelte, mechanische Biegemaschine, mit der man in Handarbeit aus einem medizinischen Stahldraht das Gestell einer Brille fertigen kann. Der EDB-Verein mit Sitz in Erlangen hat nun mittlerweile in 11 Ländern Afrikas, Südamerikas und Asiens vor Ort meist arbeitslose Menschen ausgebildet zum Optometristen, die Sehtests machen und Augenkrankheiten erkennen können und zu Brillenbiegern, die vor Ort für ihre Landsleute die notwendigen Brillen per Hand fertigen und anpassen. Die Brillen werden dann für zwei bis drei Tageslöhne des jeweiligen Landes abgegeben (Kinder erhalten sie meist umsonst), wovon dann Optometristen und Brillenbieger bezahlt werden. Aufgabe des EDB-Vereins in Deutschland ist dabei nur die Logistik der Materialbeschaffung zu übernehmen und Spendengelder zur Anschubfinanzierung der Landesgruppen zu sammeln. Sind die Landesgruppen einmalig ausgestattet mit Biegemaschinen, Geräten zur Bestimmung der Sehschwächen und dem Fertigungsmaterial, trägt sich das Projekt dann meist von selbst. „Überschüssige“ Spenden werden dann z.B. dazu verwendet, Operationen gegen den „grauen Star“ zu bezahlen, die in diesen Ländern etwa 50 € kosten.
Das alles, und noch viel mehr wurde unseren sehr interessierten Achtklässlern am Aktionstag erzählt und auch in der Praxis gezeigt. So simulierten wir z.B. mit entsprechenden Brillen mal eine Sehschwäche von -6 Dioptrien und versuchten dann ein Autokennzeichen zu lesen.
Da das Biegen einer Brille von Profis schon etwa 40 Minuten Zeit in Anspruch nimmt, konnte Herr Weber hier mit seiner Biegemaschine nur kurz darauf eingehen – die Einladung, sich mit ihm zusammen an zwei Nachmittagen eine eigene Ein-Dollar-Sonnenbrille selbst zu biegen nahmen vier Schüler bereitwillig an, und haben das jetzt auch schon geschafft!
Um den Schülerinnen und Schülern aller Jahrgangsstufen die Aufgaben und Ziele des EDB-Vereins näher zu bringen wurde nach dem Aktionstag in der Aula eine Wanderausstellung zur Ein-Dollar-Brille eröffnet, bei der man sich selbständig mit Hilfe von bereitgestellten Materialien, zwei Laptops und einer Biegemaschine informieren konnte.
Da die meisten Mitglieder des EDB-Vereins ehrenamtlich und unentgeltlich arbeiten, freuen wir uns natürlich über Menschen, die unser Projekt „Hilfe-zur-Selbsthilfe“ finanziell unterstützen – für die spontane Zusage der Religionslehrer, die Spenden der Eltern und Schüler des Weihnachtsgottesdienstes dem EDB-Verein zukommen zu lassen, bedanken wir uns ganz herzlich.
Weitere Informationen erhalten Sie über https://www.eindollarbrille.de oder im direkten Gespräch mit Herrn Weber, der auch bereit ist, entsprechende Vorträge und Vorführungen zu organisieren.