Zwischen Konfetti und Kreativität – Autorenlesung mit Nina Dulleck begeistert 5. und 6. Klassen der Laurentius Realschule
Am letzten Freitag vor den wohlverdienten Faschingsferien lag in der Laurentius-Realschule nicht nur ein Hauch von Konfetti in der Luft, sondern auch eine ordentliche Portion Fantasie. Zwischen Einhörnern, Piraten, Polizisten und Zauberinnen nahm eine ganz besondere Gästin Platz: die Illustratorin und Autorin Nina Dulleck.
Damit niemand dieses literarische Erlebnis verpassen musste, verwandelte sich der Mehrzweckraum gleich zweimal hintereinander in eine Bühne für Geschichten und Bilder. Zunächst für die fünften, anschließend für die sechsten Klassen. Und obwohl die Ferien bereits zum Greifen nah waren, zeigte sich schnell: Gute Geschichten schlagen selbst die größte Faschingsvorfreude.
Wenn aus Alltagsmomenten Geschichten werden
Alles begann mit einem Stift. Mit wenigen, scheinbar beiläufigen Strichen entstand vor den Augen der Schülerinnen und Schüler eine Figur: die „Schluckaufprinzessin“. Ein Raunen ging durch den Raum. Wie selbstverständlich wuchs aus ein paar Linien eine Persönlichkeit.
Mit einem Augenzwinkern erzählte Nina Dulleck, dass viele ihrer Figuren ihren Ursprung im eigenen Familienalltag haben. Kleine Eigenheiten, lustige Situationen, typische Sätze - all das könne der Anfang einer Geschichte sein. Die Botschaft war ebenso ermutigend wie inspirierend: Die besten Ideen liegen oft direkt vor unserer Nase. Man muss nur genau hinsehen.
Otis, Otilie – und die Kunst der Spannung
Von diesen ersten Skizzen führte der Weg hinein in die turbulente Welt ihres Buches „Otis und Otilie. Ein Pony zum Frühstück.“ Spätestens bei der Vorstellung eines Ponys am Frühstückstisch war klar: Literatur darf schräg sein, überraschend, ein bisschen verrückt und vor allem herrlich unterhaltsam.
Viele Schülerinnen und Schüler kannten die Illustratorin bereits durch ihre Mitwirkung an beliebten Reihen wie „Die Schule der magischen Tiere“ oder „Die Haferhorde“. Seit vielen Jahren zählt Nina Dulleck zu den prägenden Illustratorinnen im deutschsprachigen Kinderbuchbereich und hat mit ihren Figuren unzählige Kinderzimmer erobert. Dass eine so etablierte und vielfach veröffentlichte Künstlerin den Weg an die Laurentius-Realschule fand, unterstreicht den Anspruch der Schule, ihren Schülerinnen und Schülern besondere kulturelle Begegnungen zu ermöglichen - nahbar, inspirierend und für alle zugänglich.
Doch die Autorin las nicht einfach nur vor. Immer wieder unterbrach sie die Geschichte, stellte Fragen, dachte laut weiter und nahm ihr Publikum mit hinter die Kulissen des Schreibens. Dabei erfuhren die Kinder, wie Spannung entsteht: Eine Figur, mit der man mitfühlen kann. Ein Problem, das sie herausfordert. Ein Gegenspieler, der es nicht zu leicht macht. Und schließlich eine Lösung, die alles zusammenführt. Besonders wichtig sei dabei ein prägnanter Schlüsselsatz - ein Gedanke, der den Kern der Geschichte einfängt.
So wurde deutlich: Geschichten sind keine Zauberei. Sie fallen nicht vom Himmel. Sie wachsen aus Ideen, Beobachtungen und handwerklichem Können.
Wie aus Linien Charaktere werden
Natürlich blieb es nicht beim Zuhören. Mit sicherer Hand zeigte Nina Dulleck, wie aus einfachen Formen Schritt für Schritt lebendige Figuren entstehen. Ein paar Details genügen, um einen Beruf sichtbar zu machen. Eine veränderte Körperhaltung lässt Mut oder Unsicherheit erkennen. Ein winziges Accessoire erzählt eine eigene Geschichte.
Ein besonders einprägsamer Rat sorgte für nachdenkliche Gesichter und für Schmunzeln: Wer zeichnen möchte, solle öfter in den Spiegel schauen statt auf das Handy. Dort finde man die spannendsten Vorlagen. Echte Gefühle, echte Mimik, echte Ausdruckskraft. Erstaunlich, was man alles entdeckt, wenn man den Blick vom Display löst.
Dann durften die Schülerinnen und Schüler selbst aktiv werden. Mit Stift und Papier probierten sie die gezeigten Techniken aus, entwarfen eigene Figuren und merkten schnell, wie viel Persönlichkeit in scheinbar einfachen Strichen steckt. Für einen Moment wurde der Mehrzweckraum zum Atelier: konzentriert, kreativ, erfüllt von leiser Begeisterung.
Im Anschluss nahm sich die Autorin viel Zeit für eine Signierstunde, schrieb geduldig Autogramme und persönliche Widmungen. Für manche wurde das eigene Buch so zu einem kleinen Schatz, verbunden mit der Erinnerung an einen besonderen Vormittag.
Ein starkes Zeichen für das Lesen
In einer Welt, in der Displays oft heller leuchten als Buchseiten, setzte diese Lesung ein bewusstes Zeichen. Geschichten öffnen Türen. Sie fördern Sprache, Konzentration und Empathie. Sie erweitern den Wortschatz und den Horizont. Wer liest, entdeckt neue Welten. Wer selbst schreibt oder zeichnet, findet eine eigene Stimme.
Für die Laurentius-Realschule ist Leseförderung kein Randthema, sondern gelebter Bildungsauftrag. Besonders wichtig war es der Schulleitung Gerda Seitzinger-Bürkel, dass alle Schülerinnen und Schüler an dieser Begegnung teilnehmen konnten, unabhängig von ihrer persönlichen oder finanziellen Situation. Kulturelle Bildung soll kein Privileg sein, sondern selbstverständlich zum Schulalltag gehören.
So war dieser Vormittag weit mehr als ein unterhaltsamer Programmpunkt im Faschingstrubel. Er war Ausdruck einer Haltung: Bildung bedeutet Teilhabe und Geschichten gehören dazu.
Ein herzlicher Dank gilt der Leiterin der Gemeindebücherei Neuendettelsau, Janet Lehmann, die durch die Vermittlung des Kontakts diese bereichernde Begegnung möglich gemacht hat. Solche Kooperationen zwischen Schule und Gemeinde zeigen, wie wertvoll gemeinsames Engagement für die Lesekultur ist.
Bis dahin gilt:
Lesen lohnt sich. Immer.
Victoria Graf
(Deutschlehrkraft)