Verwöhnt die Kinder nicht!

Liebe Eltern,

angeregt durch einen Vortrag des Pädagogen Albert Wunsch in Nürnberg möchte ich ein Thema aufgreifen, das uns alle betrifft: die Frage, wie wir mit unseren Kindern umgehen – und welche Rolle das Verwöhnen dabei spielt.

Viele Eltern möchten nur das Beste für ihre Kinder. Doch oft tappen sie – ohne es zu wollen – in eine „Verwöhnungsfalle“. Wunsch bringt es auf den Punkt: Verwöhnen ist nie positiv. Denn Verwöhnen bedeutet nicht, anderen etwas Gutes zu tun, sondern sich selbst Erleichterung zu verschaffen – indem man Kindern Aufgaben abnimmt, Konflikte vermeidet oder ihnen alle Wünsche erfüllt.

So nehmen wir Kindern jedoch wertvolle Chancen:

  • Herausforderungen zu meistern,
  • eigene Kompetenzen zu entdecken,
  • Selbstvertrauen zu entwickeln.

Kinder brauchen das Gefühl, sich strecken zu müssen – im übertragenen Sinn „die Türklinke nicht gleich erreichen zu können“. Wachstum entsteht durch Anstrengung und das eigenständige Lösen von Problemen. Wer seinem Kind jede Hürde aus dem Weg räumt, raubt ihm die Erfahrung, nach einem „Fallen“ wieder aufzustehen und stolz auf die eigene Stärke zu sein.

Erziehung bedeutet: wohlwollend, konsequent und vorlebend zu handeln. Wohlwollend – indem wir unseren Kindern Aufmerksamkeit und Liebe schenken. Konsequent – indem wir Grenzen setzen und Vereinbarungen einfordern. Kinder ohne Grenzen sind orientierungslos. Grenzen geben Halt, Sicherheit und damit Freiheit.

Was hingegen kein Maß kennt, ist Liebe. Mit Liebe und Aufmerksamkeit können Sie Ihr Kind nicht verwöhnen. Schenken Sie Nähe, Zeit und echtes Interesse – davon gibt es kein Zuviel. Aber verzichten Sie auf materielles Verwöhnen, auf ständiges Abnehmen von Aufgaben, auf übertriebene Vorsicht. Materielle Überfülle führt nicht zu Dankbarkeit, sondern zur Konsumverwahrlosung.

Liebe Eltern, schenken Sie Ihren Kindern Grenzen. Haben Sie den Mut, nicht der „beste Freund“ oder die „Kumpelin“ Ihres Kindes sein zu wollen. Kinder brauchen Eltern mit Rückgrat, die liebevoll fordern, Halt geben und zugleich Freiräume eröffnen. Verwöhnen Sie Ihre Kinder – aber mit Liebe, Zeit und Vertrauen.

Ihre

Gerda Seitzinger-Bürkel, Schulleiterin

PS: Wenn Sie, liebe Eltern, anderer Meinung sind oder dazu Stellung nehmen möchten, dann kommen Sie gerne mit mir ins Gespräch. Ich freue mich über jede Rückmeldung.

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